Unter folgendem Link finden Sie auf unserem Youtube-Kanal Videos zur Uhrentechnik und zur De- und Montage von Uhrwerken. Wir hoffen, damit Ihre Arbeit an Uhren und Uhrwerken noch weiter zu erleichtern.
Die Bedeutung der richtigen Uhrenbatterie – Technik, Geschichte und Praxis verständlich erklärt
Elektrische und elektronische Armbanduhren sind heute aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie gelten als präzise, zuverlässig und vergleichsweise wartungsarm. Dass eine solche Uhr über Jahre hinweg exakt läuft, ist jedoch keineswegs selbstverständlich. Ein unscheinbares Bauteil trägt einen entscheidenden Anteil daran: die Uhrenbatterie.
In diesem Artikel erfahren Sie, warum Uhrenbatterien speziell entwickelte Hightech-Produkte sind, worin sie sich von anderen Knopfzellen unterscheiden und weshalb es so wichtig ist, stets den richtigen Batterietyp zu verwenden.
Uhren-Batterien
Der Wandel der Uhrentechnik: Von der Mechanik zur Elektronik
Mit der Einführung elektrischer und später elektronischer Armbanduhren erlebte die Uhrenindustrie eine echte Revolution. Innerhalb weniger Jahre veränderten sich nicht nur Konstruktion und Design der Uhren, sondern auch die Anforderungen an ihre Energieversorgung.
Mechanische Uhren beziehen ihre Energie aus einer aufgezogenen Feder. Elektronische Uhren hingegen benötigen eine konstante, exakt definierte elektrische Spannung. Schon kleinste Abweichungen können sich auf die Ganggenauigkeit auswirken. Genau hier beginnt die besondere Bedeutung der Uhrenbatterie.
Die ersten Uhrenbatterien und ihre Grenzen
Die ersten Batterien für Armbanduhren basierten auf dem sogenannten Kohle-Zink-System, das bereits aus Taschenlampen bekannt war. Zwar funktionierten diese Batterien grundsätzlich, doch zeigte sich schnell, dass sie den steigenden Anforderungen moderner Uhren nur eingeschränkt gerecht wurden.
Mit zunehmender Präzision der Uhrwerke wuchs der Bedarf nach Batterien, die:
eine möglichst konstante Spannung liefern
über lange Zeiträume zuverlässig arbeiten
extrem gut abgedichtet sind
auch bei sehr geringem Stromverbrauch stabil bleiben
Diese Anforderungen führten zur Entwicklung neuer elektrochemischer Systeme.
Moderne Systeme: Silberoxid-Zink und Quecksilberoxid-Zink
Als besonders geeignet erwiesen sich zwei Batterietypen:
Silberoxid-Zink-Batterien
Quecksilberoxid-Zink-Batterien
Beide Systeme zeichnen sich durch eine sehr gleichmäßige Spannungsabgabe aus – eine Grundvoraussetzung für präzise Zeitmessung. Während Quecksilberoxid-Zink-Batterien früher weit verbreitet waren, werden heute aus Umweltgründen überwiegend Silberoxid-Zink-Batterien eingesetzt.
Für Sie als Uhrenbesitzer ist vor allem eines wichtig: Nicht jedes System liefert die gleiche Spannung. Uhren sind jedoch exakt auf eine bestimmte Spannung ausgelegt.
Uhrenbatterien sind unter anderem mit folgenden Nennspannungen erhältlich:
1,35 Volt
1,4 Volt
1,5 Volt
Was nach einem kleinen Unterschied klingt, kann in der Praxis große Auswirkungen haben. Wird eine Batterie mit zu hoher Spannung eingesetzt, kann:
die Ganggenauigkeit leiden
die Regulierung erschwert oder unmöglich werden
die Elektronik langfristig beschädigt werden
Deshalb gilt: Verwenden Sie ausschließlich den Batterietyp, den der Uhrenhersteller ausdrücklich vorschreibt. Die entsprechende Typnummer ist in der Regel auf der Batterie eingeprägt.
Warum Hörgerätebatterien keine Alternative sind
Auf den ersten Blick ähneln sich viele Knopfzellen stark. Dennoch sind Batterien für Hörgeräte grundsätzlich nicht für Uhren geeignet.
Der Grund liegt im unterschiedlichen Einsatzzweck:
Hörgeräte benötigen kurzfristig deutlich höhere Leistungen
ihre Batterien sind auf eine kurze Nutzungsdauer ausgelegt
sie verwenden Elektrolyte, die auf lange Sicht leichter austreten können
Für eine Uhr wäre dies fatal. Schon winzige Mengen ausgetretener Salze können das Uhrwerk blockieren oder im Extremfall dauerhaft zerstören.
Uhrenbatterien sind deshalb speziell so konstruiert, dass sie über viele Monate oder Jahre absolut dicht bleiben.
Das Innenleben einer Uhrenbatterie – einfach erklärt
Im Inneren einer Uhrenbatterie befinden sich:
eine positive Elektrode (Kathode)
eine negative Elektrode (Anode)
ein Elektrolyt
eine spezielle Trennschicht (Scheidewand)
Diese Trennschicht ist von zentraler Bedeutung. Sie verhindert, dass sich die Elektroden berühren oder ihre Materialien unkontrolliert vermischen. Gleichzeitig muss sie den Transport der elektrisch geladenen Teilchen ermöglichen.
Bei Uhrenbatterien ist diese Scheidewand bewusst dicker und weniger durchlässig als bei anderen Batterien. Das reduziert zwar die maximale Leistung, erhöht aber die Lebensdauer und Betriebssicherheit erheblich – genau das, was eine Uhr benötigt.
Geringer Stromverbrauch, lange Laufzeit
Moderne Quarzuhren arbeiten extrem effizient. Der Stromverbrauch liegt oft bei nur 8 bis 12 Mikroampere. Dadurch erreichen hochwertige Batterien eine Laufzeit von:
18 bis 60 Monaten, abhängig vom Batterietyp
Entscheidend ist dabei nicht nur die Batteriegröße, sondern auch der Energiebedarf des jeweiligen Uhrwerks. Zusatzfunktionen wie Datum, Sekundenstopp, Chronofunktionen oder Kalender erhöhen den Verbrauch geringfügig.
Präzision im Alltag
Dank der Kombination aus präziser Elektronik und stabiler Energieversorgung erreichen viele Quarzuhren heute eine Gangabweichung von nur:
sehr wenigen Sekunden pro Monat
Zusätzlich sind moderne Uhrwerke stoßgesichert und für den täglichen Gebrauch ausgelegt. Bei besonders empfindlichen Modellen kommen sogar unmagnetische Bauteile zum Einsatz, um äußere Magnetfelder wirkungsvoll auszuschalten.
Originalbatterien: Schutz für Ihre Uhr
Ein oft unterschätzter Punkt ist die Qualität der eingesetzten Batterie. Original-Uhrenbatterien bieten:
geprüfte Dichtigkeit
konstante Spannung über die gesamte Laufzeit
geringe Auslaufgefahr
Schutz für Elektronik und Werk
Der Einsatz ungeeigneter oder minderwertiger Batterien kann kurzfristig Geld sparen, langfristig jedoch teure Schäden verursachen.
Fazit
Die Uhrenbatterie ist ein hochentwickeltes Präzisionsbauteil. Ihre Bauart, ihr chemisches System und ihre Spannung sind exakt auf die Anforderungen moderner Uhren abgestimmt. Wer den richtigen Batterietyp verwendet und auf Qualität achtet, stellt sicher, dass seine Uhr über Jahre hinweg zuverlässig, genau und sicher arbeitet.
Kaum ein Detail auf klassischen Zifferblättern wird so häufig als „Fehler“ missverstanden wie die römische Vier in der Form IIII. Dabei handelt es sich keineswegs um Unkenntnis der römischen Zahlenregel, sondern um eine seit Jahrhunderten bewusste und durchdachte gestalterische Entscheidung der Uhrmacher und Zifferblattentwerfer.
Die römische Vier – Regel und Realität
In der linearen römischen Zahlenreihe gilt die bekannte Regel, dass höchstens drei gleiche Zeichen hintereinander verwendet werden. In der Antike aber waren römische Zahlen nicht streng normiert. Neben der heute geläufigen Subtraktionsschreibweise (IV = 5 − 1) existierte lange Zeit auch die additive Form IIII. In vielen antiken Inschriften, Sonnenuhren und frühen Zeitmessern ist diese Schreibweise gut dokumentiert.
Die Vier wird daher korrekt als IV (V minus I) geschrieben. Diese Regel war den Gestaltern historischer Zifferblätter selbstverständlich bekannt.
Dennoch wird seit dem Aufkommen der Räderuhren um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert die Vier auf Zifferblättern fast ausnahmslos als IIII dargestellt. Diese Abweichung ist kein Zufall, sondern die Folge der kreisförmig-radialen Anordnung der Ziffern.
Immer wieder wird behauptet, IIII sei verwendet worden, um den römischen Gott Jupiter (Iuppiter) nicht durch „IV“ zu entweihen. Für diese These gibt es jedoch keine belastbaren historischen Belege. Sie gehört eher in den Bereich der Uhrmacher-Folklore als zur gesicherten Geschichtsschreibung.
Das Zifferblatt als grafisches System
Ein Zifferblatt ist kein linearer Text, sondern ein grafisches Ganzes, das festen geometrischen Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Die römischen Zahlen sind unterschiedlich breit, müssen jedoch auf eine feste 30-Grad-Teilung verteilt werden. Daraus ergeben sich erhebliche gestalterische Herausforderungen.
Besonders problematisch ist das Verhältnis zwischen der VIII – der breitesten römischen Zahl – und der gegenüberliegenden Position bei der Vier. Würde dort IV stehen, entstünde ein deutliches Ungleichgewicht im Zahlenkranz. Die alten Meister erkannten früh, dass die vierstrichige IIII als optisches Gegengewicht zur VIII notwendig ist, um eine harmonische Flächenverteilung zu erreichen.
Optische Balance statt mathematischer Korrektheit
Bei gut gestalteten historischen Zifferblättern zeigt sich, dass nicht die Zentrierung der Zahlen entscheidend ist, sondern die negativen Zwischenflächen. Diese müssen annähernd gleich groß sein, damit das Blatt ruhig und ausgewogen wirkt.
Zahlen mit V- oder X-Bestandteilen (VI, VII, VIII, IX, XI, XII) müssen daher bewusst leicht verschoben werden. Die Verwendung von IV würde insbesondere im zweiten Viertel des Zifferblattes zu unruhigen Proportionen führen und das ohnehin schwächer besetzte Segment zusätzlich destabilisieren.
Die IIII erlaubt dagegen eine gleichmäßigere Flächenverteilung und trägt entscheidend zur grafischen Geschlossenheit bei – vor allem in der unteren Hälfte des Zifferblattes, die gestalterisch besonders sensibel ist.
Ästhetische und gestalterische Gründe
Ein wesentlicher Grund für IIII liegt also in der optischen Balance des Zifferblatts:
Die linke Hälfte (I–V) und die rechte Hälfte (VII–XI) wirken harmonischer.
Mit IIII stehen vier Ziffern mit I der Zahl VIII (VIII) gegenüber, was eine visuelle Ausgewogenheit schafft.
Die Abfolge der Ziffern wirkt ruhiger und gleichmäßiger.
Gerade bei klassischen oder historischen Zifferblättern ist diese Symmetrie ein zentrales Gestaltungselement.
Historische Konsequenz über Jahrhunderte
Diese gestalterischen Prinzipien wurden über Jahrhunderte hinweg konsequent angewendet:
gotische Zifferblätter des 15. und 16. Jahrhunderts
klassizistische Zifferblätter des frühen 19. Jahrhunderts
Turm-, Stand- und Taschenuhren in ganz Europa
Selbst in Epochen, in denen IV weniger störend gewesen wäre, hielten die Gestalter bewusst an IIII fest. Die Einheitlichkeit dieser Praxis über Ländergrenzen hinweg spricht klar gegen Zufälligkeit oder Unwissen.
Abb. 1: Zifferblatt gotischer Uhren 15. u. 16. Jahrhundert. Römische Zahlen in Frakturschrift stillisiert. Die Abstandsflächen zwischen den Zahlen sind zur Demonstration ihrer annähernden Flächengleichheit an den Zifferblattrand projiziert.
Abb. 2 u. 3: Zwei ähnliche Zifferblätter. 18. Jahrhundert, zum Vergleich links mit IllI – rechts mit IV.
Abb. 4: Klassizistisches Zifferblatt 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts.
IIII in der modernen Uhrmacherei
Auch heute verwenden zahlreiche renommierte Uhrenhersteller bewusst IIII – insbesondere bei:
klassischen Dresswatches
Re-Editionen historischer Modelle
Taschenuhren und Marinechronometern
Turm- und Großuhren
Die Wahl von IIII ist damit weniger eine Regel als vielmehr ein Statement für Tradition, Gestaltung und Handwerkskultur.
Zusatzmarkierungen und geschlossene Flächen
Auch zusätzliche Zeichen wie Rhomben, Lilien oder andere Markierungen bei 15-Grad-Teilungen dienten nicht nur der Zeitablesung, sondern vor allem der optischen Beruhigung des Zifferblattes. Nachdem Minutenzeiger diese Funktion übernahmen, blieben die Zeichen als Gestaltungselemente erhalten – wiederum mit dem Ziel, ungleiche Zwischenräume auszugleichen.
Auch hier zeigt sich: Die Wirkung ist mit IIII deutlich harmonischer als mit IV.
Moderne Gestaltung und bewusste Tradition
In den 1920er-Jahren führte das Bauhaus zu einer radikalen Vereinfachung von Zifferblättern, oft ganz ohne Zahlen. Doch parallel dazu entstanden bewusst klassisch gestaltete Zifferblätter, etwa von Heinrich Tessenow, der ebenfalls an der IIII festhielt. Niemand würde diesen Gestaltern Unkenntnis der römischen Zahlen unterstellen.
Fazit
Die Schreibweise IIII auf Zifferblättern ist kein Fehler, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger gestalterischer Erfahrung. Sie folgt nicht der linearen Logik der Schrift, sondern den Gesetzen der grafischen Harmonie, Flächenbalance und optischen Ruhe.
Wer historische Zifferblätter aufmerksam studiert, erkennt schnell: Die Uhrmacher wussten sehr genau, was sie taten – und hatten allen Grund, es so zu tun.
Der Chronograph in der Reparatur (Buch von Humbert)
Buchtitel: Der Chronograph in der Reparatur Autor: Bernhard Humbert/ Hrsg. M. Stern ISBN: 978-3-9505639-2-4 / 9783950563924 Fakten: Reprint aus 1952, Innsbruck 2025 auf 176 S. mit unzähligen Abb., 200 x 265 mm, Hardcover/Faden
Facts: Originally written by Ward L. Goodrich, Chicago, 1903. Republished in Berlin, 2025, with 296 pages and numerous illustrations. Format: 125 × 190 mm, softcover with thread binding.
Es soll eine Riegelschraube nach Maßangabe hergestellt und auf einer Messingplatte (15 × 10 mm, Dicke 1,3 mm) montiert werden. Die Schraube wird mit einem beliebigen, passenden Stellhebel verschraubt.
Zu beachten:
Schraubenkopf (Ø 1,4 mm, 3 mm lang) fein poliert
Kopffläche, Ansatz und Gewindeende ebenfalls poliert
Ansatzmaße: Ø 1,4 mm (Passung), Ø 1,9 mm (Schaft) fein poliert
Schlitzbreite: 0,25 mm
Schlitzhöhe: 0,6–0,7 mm
Flächen und Kanten der Messingplatte sind strichfein zu schleifen, keine Kantenbrechung
Flächen und Kanten des Stellhebels sind strichfein zu schleifen und polierte Kantenbrechung anzubringen (Druckpolitur)
Ein Dachanker aus Stahl soll angefertigt werden für eine Stutzuhr mit:
Mittelloch: rund, Ø 2 mm (für ein Rad mit 30 Zähnen)
Eingriff: über 5½ Zähne
Zustand: gehärtet
Hebeflächen: fein poliert
Seitenflächen: fein geschliffen
Zusätzlich wird ein Drehstift benötigt, passend zum Mittelloch, mit Konus auf 10 mm = 0,1 mm.
Dazu gehören drei Messingscheiben (Ankerscheiben), deren Größen in der Beschreibung angegeben sind. An der größten Scheibe wird die Segmenthöhe angefeilt. Alle Mittellöcher müssen passgenau für den Drehstift gebohrt sein. Die Stärke des fertigen Ankers beträgt 3–3,8 mm und muss exakt parallel verlaufen.
Bei einem hölzernes Schätzchen – einer Stollenuhr aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – aus den Anfängen der Schwarzwälder Uhrenindustrie ist der Blechanker verloren gegangen.
Einführung: Uhrentyp und technischer Hintergrund
Die vorliegende Uhr ist eine Stollenuhr, benannt nach den hölzernen Wanddistanzbolzen auf der Rückseite des Uhrwerks – den sogenannten Stollen. Anders als bei moderneren Bauformen liegen bei dieser Uhr das Schlagwerk und das Gehwerk nicht nebeneinander, sondern hintereinander. Diese spezielle Bauweise wird als 3-Platinenwerk bezeichnet. In der älteren Schwarzwälder Uhrmachertradition nennt man das ein „eckiges Werk“ – im Gegensatz zum „breiten Werk“, bei dem die Werkseinheiten nebeneinander angeordnet sind.
Ein besonderes Merkmal dieser Uhr ist ihr sogenanntes holzgespindeltes Werk. Das bedeutet: Die Wellen und Triebscheiben bestehen aus Holz, während die Zapfen, Triebstecken und Radscheiben aus Metall gefertigt sind – meist aus Stahl oder Messing. Es handelt sich hierbei also um eine typische Lackschilduhr mit einem hybrid aufgebauten Uhrwerk.
Fachliteraturhinweis
Wer sich näher mit diesen frühen Schwarzwalduhren beschäftigen möchte, dem sei das Buch „Schwarzwalduhr“ von Herbert Jüttemann empfohlen. Für die konkrete Konstruktion eines schmalen Blechankers – wie im vorliegenden Fall – bietet sich das Buch „Technische Grundlagen der mechanischen Uhren“ von L. Lehotzky wertvolle Anleitungen. In diesen Büchern hat man – anders als in manch anderem theoretischem Werk – den Eindruck, dass die beschriebenen Teile tatsächlich gebaut wurden und auf Anhieb funktionierten.
Schwarzwälder Lackschilduhr mit holzgespindeltem Werk (Stollenuhr)weiterlesen ›
🔧 Teil 1: Einleitung – Die Faszination der Uhrenkomplikationen
Uhren-Komplikationen – also besondere Zusatzfunktionen in mechanischen Uhren – sind wahre Meisterwerke der Mikromechanik. Den Anfang macht ein Klassiker unter den Komplikationen: das Tourbillon.
In der Uhrmacherschule hört man oft die Frage: „Wie funktioniert das Tourbillon eigentlich genau?“
Zwar gibt es dazu schon viele Fachbücher, doch oft sind sie teuer, vergriffen oder zu kompliziert für den Nachwuchs. Unser Ziel ist es daher, diese Wissenslücke auf praktische Weise zu schließen – leicht verständlich und dennoch technisch fundiert.
Stell dir vor, eine Uhr, die seit fast 100 Jahren läuft – ohne Batterie, ohne Strom, ohne Aufzug. Klingt wie Magie? Willkommen in der Welt der Atmos, einer Uhr, die ihre Energie direkt aus der Luft holt. Seit 1928 tickt sie fast ununterbrochen – angetrieben allein durch die kleinsten Temperaturschwankungen.
Zeit in ihrer reinsten Form
Mit ihrem minimalistischen Design und einem fast schwebenden Auftritt hinter Glas, lädt die Atmos-Uhr nicht nur zum Staunen, sondern auch zum Nachdenken ein: Wie kann eine Uhr fast ewig laufen – ganz ohne sichtbare Kraftquelle?
Ein genialer Einfall wird Realität
Schon Leonardo da Vinci bewies: Ein Perpetuum mobile – also ein ewiges Bewegungsgerät – ist unmöglich. Doch der Schweizer Ingenieur Jean-Léon Reutter ließ sich davon nicht beirren. 1928 entwickelte er ein revolutionäres Uhrwerk, das aus Temperaturschwankungen Energie gewinnt. Die Uhrmanufaktur Jaeger-LeCoultre perfektionierte dieses Konzept, und so entstand die Atmos – eine Uhr, die der Idee des ewigen Laufs erstaunlich nahekommt.
Das Buch bespricht die grundlegensten Dingen wie die Eletrotechnik, den Magnetismus, den Elektromagnetismus, die Kontakte, die Transistoren sowie die verschiedenen Werke wie die JAZ-Werke BN, AN, AK, AR und AV. Das Buch bietet im abschließenden Kapitel dann praktische Ratschläge zur Reparatur elektrischer Uhren.
Paul Nicolas schreibt 1964 im Vorwort zu diesem Buch über elektrische Uhren
Ich habe Pierre Touchet ausdrücklich darum gebeten, so zu tun als ob seine zukünftigen Leser nicht das Geringste von der Sache verständen. Aus diesem Grunde hat er zunächst ganz kurz die theoretischen Grundlagen ins Gedächtnis zurückgerufen, von denen man zumindestens einen Begriff haben muss, um die elektrische Uhrenkunde verstehen zu können, Ich habe ihn weiterhin gebeten, seine Darlegungen in einer für alle leichtverständlichen Form aufzuzeichnen. Vielleicht werden einige gelehrte Uhrmacher finden, dass Pierre Touchet allzu schematisch vorgegangen ist. Aber für sie hat er dieses Buch nicht geschrieben, Und wir wollten es genau so wie es ist : einfach, praktisch und kronkret, denn wir sind sicher, dass die Mehrzahl unter den Uhrmachern gerade das von uns erwartet.