đ§ Konstruktion eines Massivankers fĂŒr eine Stutzuhr
đ Aufgabe
Ein Dachanker aus Stahl soll angefertigt werden fĂŒr eine Stutzuhr mit:
- Mittelloch: rund, ĂâŻ2âŻmm (fĂŒr ein Rad mit 30 ZĂ€hnen)
- Eingriff: ĂŒber 5œ ZĂ€hne
- Zustand: gehÀrtet
- HebeflÀchen: fein poliert
- SeitenflÀchen: fein geschliffen
ZusĂ€tzlich wird ein Drehstift benötigt, passend zum Mittelloch, mit Konus auf 10âŻmm = 0,1âŻmm.
Dazu gehören drei Messingscheiben (Ankerscheiben), deren GröĂen in der Beschreibung angegeben sind. An der gröĂten Scheibe wird die Segmenthöhe angefeilt. Alle Mittellöcher mĂŒssen passgenau fĂŒr den Drehstift gebohrt sein. Die StĂ€rke des fertigen Ankers betrĂ€gt 3â3,8âŻmm und muss exakt parallel verlaufen.
đ Konstruktive Grundlagen (nach Meister Prell)
Die Konstruktion folgt der zeichnerischen Methode aus dem Fachzeichenheft von Linnartz, wird aber hier in die praktische AusfĂŒhrung ĂŒbertragen. Alle angegebenen Zahlenwerte wurden rechnerisch ermittelt, ausgehend von einem Raddurchmesser von R = 1. Durch Multiplikation mit dem realen Raddurchmesser ergeben sich die finalen MaĂe. Wer diese und auch andere Konstruktionen genau ausfĂŒhren möchte, dem sei das hervorragende Buch von Lehotzky: Technische Grundlagen der mechanischen Uhren, S. 25 ff. dringend empfohlen.
đą Gegeben:
- Raddurchmesser: R = 36âŻmm
- Radzahnzahl: Z = 30
- Eingriff: ĂŒber 5œ ZĂ€hne
- Hebungswinkel: 5°
- Fall: 1ϡ (reichlich bemessen)
đ Konstruktionsschritte
1. Ankeröffnungswinkel
- Also zu jeder Seite der Mittellinie je 33° antragen.
Diese Linien schneiden den Zahnradkreis. Wird von diesen Schnittpunkten aus eine Tangente gezogen, schneiden sich beide Tangenten im Ankerdrehpunkt â damit ist die Eingriffsentfernung gefunden.
- Eingriffsentfernung fĂŒr den RadĂ (R=1)= 0,5962 mm.
- Bei 36âŻmm RadĂ: 0,5962mm â 36 = 21,46âŻmm
2. Mittlerer Ankerkreis
- (R=1)= 0,3247
- bei 36âŻmm: 23,39
3. Innere und Ă€uĂere Ankerkreise
- Bei jeder Pendelbewegung rĂŒckt das Rad um 6° vor (halbe Teilung).
- Davon wird der Fallwinkel 1ϡ abgezogen â verbleiben 4ϡ
- Diese 4ϡ werden halbiert: je 2Ρ zu beiden Seiten der 33°-Linien am Radkreis antragen â ergeben die Schnittpunkte mit den Ankerkreisen.
- Der Innendurchmesser betrÀgt:
- R=1=0,610â 36=21,96âŻmm
- Der AuĂendurchmesser betrĂ€gt:
- R=1=0,6886â 36=24,79âŻmm
4. HebeflÀchen
- Die Verbindungslinie zwischen den Spitzen der Eingangs- und Ausgangsklaue, die Entfernug von der FlĂ€che bis zum Ă€uĂeren Ankerkreis gemessen bezeichnet man mit der Segmenthöhe.
- Vom Ă€uĂeren Ankerkreis 24,79 mm kommen 5,71 mm in Abzug: Segmenthöhe 19,06 mm.
5. Zusammenfassung
- Raddurchmesser = 36 mm
- ZĂ€hnezahl = 30.
- AnkeruÌbergriff 5 1/2 ZĂ€hne
- Hebung= 5 °
- Fall 1 1/2
- Eingriffsentfernung: 21,46 mm
- ĂuĂerer Ankerkreis: 24,79 mm
- Innerer Ankerkreis: 21,965 mm
- Hebungskreis: 13,41 mm
- Segmenthöhe: 19,08 mm
đ ïž Praktische AusfĂŒhrung
1. Vorbereitung
- Ein StĂŒck Flachstahl mit Profil 4âŻĂâŻ10âŻmm auf 3âŻcm LĂ€nge zuschneiden.
- Alternativ: Ein StĂŒck alte Feile verwenden.
- Stahl leicht rotglĂŒhend erhitzen, langsam abkĂŒhlen lassen.
2. Bearbeitung
- Stahl flach feilen und glatt schleifen.
- ZielstĂ€rke: 3â3,8âŻmm, exakt parallel.
3. Hilfswerkzeuge
- Drei Messingscheiben drehen:
- Ă des Ă€uĂeren Ankerkreises (24,79âŻmm)
- Ă des inneren Ankerkreises (21,96âŻmm)
- Ă des Hebungskreises (13,41âŻmm)
- Die groĂe Scheibe erhĂ€lt eine abgefeilte FlĂ€che: Segmenthöhe 19,08âŻmm
- Alle Scheiben mittig mit Ă 2âŻmm versehen â passend zum Ankerloch.

4. Markieren & ReiĂarbeiten
- GroĂe Scheibe auf den Stahl legen, Mittelloch-Position ĂŒbertragen.
- Mittelloch exakt bohren (Geradbohrmaschine oder Bohrplatte).
- Loch leicht aufreiben â Scheiben mĂŒssen auf den Drehstift passen.
- Umfang der Scheiben sowie SegmentflĂ€che mit ReiĂnadel anzeichnen.

5. Feilen & PrĂŒfen
- Anker groĂzĂŒgig vorschruppen, AnreiĂlinien sichtbar lassen.
- Feinbearbeitung unter stÀndiger Kontrolle mit den Scheiben.
- HebeflÀchen besonders sorgfÀltig: rechtwinklig und flach!
- Mit Lupe kontrollieren, ob Scheiben genau passen.
6. WĂ€rmebehandlung & Finish
- Vor dem HĂ€rten Anker etwa 0,1âŻmm enger lassen (wegen Ausdehnung).
- HĂ€rten:
- RĂŒckflĂ€che zuerst ins Ăl/Wasser
- Besser: KupferbĂŒchse oder Gasrohr mit Holzkohlenpulver
- Alternativ: GlĂŒhen auf Holzkohle mit Blasrohr, Abschrecken in 20âŻÂ°C Wasser oder Ăl
- Schleifen der FlÀchen,
- danach in der Mitte leicht blau anlassen, die Paletten: nur hellgelb
- Letzte GlÀttung: feinster Schmirgelstein
- Politur der HebeflÀchen: mit Stahl- und Kompositionsfeile
đ Besondere Hinweise
Die HebeflĂ€che der Eingangsklaue soll in der Mitte eine leichte Wölbung zeigen. Diese setzt sich ĂŒber den ErgĂ€nzungswinkel hinaus fort und entspricht etwa dem Verlauf des Hebungskreises.
Zum Abschluss: Seiten- und OberflÀchen sorgfÀltig glÀtten.

