{"id":1792,"date":"2023-09-15T09:48:16","date_gmt":"2023-09-15T07:48:16","guid":{"rendered":"https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/?p=1792"},"modified":"2023-09-26T21:38:50","modified_gmt":"2023-09-26T19:38:50","slug":"reparatur-eines-glashuetter-taschenuhr-ankers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/technik\/reparatur-eines-glashuetter-taschenuhr-ankers\/","title":{"rendered":"Wie repariere ich einen Glash\u00fctter Taschenuhr-Ankers?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Uhrmachermeister Hans Grotka\u00df hat sich 1956 in der Deutschen Uhrmacher-Zeitschrift, Nr.12, ausf\u00fchrlich mit der Ankerreparatur auseinandergesetzt. Wir geben den Artikel \u2013 leicht gek\u00fcrzt \u2013 wieder, da er sich als Erg\u00e4nzung zu dem Buch \u201e<a href=\"https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/Uhrenbuch-Fachbereiche\/Alle-Uhrenbuecher\/Die-Armband-und-Taschenuhr-in-der-Reparatur-Neuauflage-2021-Buch-von-Jendritzki-Horlbeck-Stern-Heydt::361.html\">Die Armband- und Taschenuhr in der Reparatur<\/a>\u201c eignet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eLeider geht bei einer Neuanfertigung eines Glash\u00fctter Goldankers \u00fcber die H\u00e4lfte der Arbeitszeit durch die umfangreiche Vorbereitungen verloren, die bei Totalverlust des Ankers mit einer ma\u00dfstabgerechten Gangzeichnung beginnen. So scheitert ein solches Projekt normalerweise schon an der Kostenfrage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wesentlich anders liegen die Verh\u00e4ltnisse dagegen, wenn der Kunde zur Bezahlung eines entsprechenden Preises bereit ist, z. B. wenn es sich um eine au\u00dfergew\u00f6hnlich wertvolle Uhren handelt, f\u00fcr die es aber leider keine Ersatzteile nicht mehr gibt. Besonders gilt das f\u00fcr Glash\u00fctter Uhren, bei denen sich selbst Anfertigungen gr\u00f6\u00dften Ausma\u00dfes fast immer lohnen \u2013 sind doch derartige St\u00fccke oft ein kleines Verm\u00f6gen wert.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker.png\" alt=\"Taschenuhr - Ankerchronometer 1A\" class=\"wp-image-1797\" style=\"width:385px;height:385px\" width=\"385\" height=\"385\" srcset=\"https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker.png 886w, https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker-300x300.png 300w, https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker-150x150.png 150w, https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker-768x768.png 768w, https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker-12x12.png 12w\" sizes=\"auto, (max-width: 385px) 100vw, 385px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><a href=\"http:\/\/www.uhren-muser.de\">Glash\u00fctter Taschenuhr<\/a> &#8211; Ankerchronometer 1A<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Einigung \u00fcber die H\u00f6he des Reparaturpreises ist allerdings manchmal noch ein Problem f\u00fcr sich. Vor allem in den F\u00e4llen, wo die Uhr noch schlecht und recht geht, k\u00f6nnen wir des Argwohns ihres Besitzers sicher sein, und wir werden trotz der unbestreitbaren Berechtigung unserer Forderung h\u00e4ufig nicht recht froh, weil wir hier wieder etwas von dem nur halb versteckten Misstrauen gesp\u00fcrt haben, dem unser Beruf nun einmal ausgeliefert ist. Aber wenn auch die finanzielle Seite der Reparatur zu unserer Zufriedenheit geregelt wird, die Arbeit selbst ist dadurch um nichts weniger umst\u00e4ndlich und zeitraubend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb d\u00e4ngt sich die Frage auf, ob es denn aus diesem Dilemma \u2013 Zeitverlust und hoher Preis \u2013 keinen Ausweg gibt. Er ist in der Tat vorhanden, weil Besch\u00e4digungen des Ankers fast ausschlie\u00dflich an seiner Gabel auftreten. Der Ankerk\u00f6rper mit den Armen ist bei besseren Uhren verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig stabil gehalten, wogegen Gabelstiel und Gabel oft um \u00fcber die H\u00e4lfte d\u00fcnner sind. Eine derartige Schw\u00e4chung kann nicht willk\u00fcrlich vorgenommen werden sein; sie ist vielmehr bedingt durch den Zwang, das Gewicht des Ankers zu vermindern und die Werkh\u00f6he rn\u00f6glichst gering zu halten. Doch erm\u00f6glicht uns gerade dieser St\u00e4rkeunterschied eine betr\u00e4chtliche Vereinfachung der Reparatur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn nun der Arbeitsgang an einem Glash\u00fctter Anker erl\u00e4utert werden soll, so geschieht das lediglich deshalb, weil hier die kalkulatorischen Voraussetzungen am ehesten gegeben sind. Wir k\u00f6nnen das gleiche Verfahren auch auf alle anderen Anker \u00fcbertragen, gleichg\u00fcltig, aus welchem Werkstoff sie bestehen. Soweit dabei, wie bei Stahlankern, Besonderheiten zu beachten sind, werden wir am Schluss darauf zur\u00fcckkommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir nehmen also an, bei unserem Glash\u00fctter Taschenuhranker sei ein Gabelhorn geknickt und eingerissen, und zwar derart, dass jeder Versuch, daran zu richten, ihm vollends den Garaus machen w\u00fcrde. Zun\u00e4chst beschaffen wir uns das erforderliche Material, hier bekanntlich eine Goldlegierung. Ben\u00f6tigt wird ein Pl\u00e4ttchen 585\/000 in der Gr\u00f6\u00dfe des Ankers; die Dicke wird von der dicksten Stelle des Gabelstieles bestimmt und betr\u00e4gt bei Taschenuhrankern etwa 40\/100 mm. Doch w\u00e4hlen wir alle Ma\u00dfe nicht zu knapp, damit uns bei Bedarf noch etwas Spielraum verbleibt. Es empfiehlt sich, dos Pl\u00e4ttchen von einem Goldschmied auf die gew\u00fcnschte St\u00e4rke hartwalzen zu lassen; das ist einfacher und technisch sauberer als Harth\u00e4mmern mit anschlie\u00dfendem Flachfeilen. Au\u00dferdem lassen wir uns noch ein wenig Golddraht von 0,4 mm Durchmesser geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor wir irgendetwas am Anker selbst unternehmen, legen wir einen Umriss seiner jetzigen Gestalt fest. Das geschieht auf einer Messingplatte, in die wir zwecks Aufnahme der Ankerwelle ein genau passendes Loch gebohrt haben. Wir entfernen also den im Eingangsarm befindlichen Begrenzungsstift und fixieren mit einer Rei\u00dfnadel an Hand des aufgelegten Ankers eine Anzahl wichtiger Strecken <em>(Bild 1)<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"441\" height=\"437\" src=\"https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker1.png\" alt=\"Glashuetter_Anker1\" class=\"wp-image-1794\" srcset=\"https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker1.png 441w, https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker1-300x297.png 300w, https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker1-150x150.png 150w, https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker1-12x12.png 12w, https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker1-303x300.png 303w\" sizes=\"auto, (max-width: 441px) 100vw, 441px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Glash\u00fctter Anker Bild 1<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zus\u00e4tzlich ziehen wir noch eine \u00fcber die Gabel hinaus verl\u00e4ngerte Mittellinie <em>a<\/em> und im rechten Winkel dazu eine weitere Linie <em>b<\/em> entlang den H\u00f6rnerspitzen. Wer will, kann dar\u00fcber hinaus noch die Gesamtlenge des Ankers \u00fcber <em>b-c<\/em> messen; unbedingt n\u00f6tig ist das jedoch nicht. Nun k\u00f6nnen wir sofort den Gabelstiel bei <em>d<\/em> vom Anker trennen, was am besten durch Einfeilen und Abbrechen geschieht; doch achten wir darauf, dass noch ein kurzer Rest des Stieles am Anker erhalten bleibt, \u2013 warum, werden wir nachher sehen. Das abgebrochene St\u00fcck heben wir gut auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gek\u00fcrzte Anker <em>(Bild 2 a<\/em>) wird jetzt mit seiner Unterseite auf eine Lackscheibe des Drehstuhls aufgebracht und nach der Ankerwellenbohrung zentriert. Wenn dieses Verfahren nicht sympathisch ist, kann auch anders vorgehen: man lackt den Anker in gleicher Weise auf eine ganz flache Messingplatte, die nach dem Erkalten in die Planscheibe gespannt wird. Hier ist das Zentrieren ein Kinderspiel.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"374\" height=\"166\" src=\"https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker2a.png\" alt=\"Glashuetter_Anker2a\" class=\"wp-image-1796\" srcset=\"https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker2a.png 374w, https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker2a-300x133.png 300w, https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker2a-18x8.png 18w\" sizes=\"auto, (max-width: 374px) 100vw, 374px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Glash\u00fctter Anker Bild 2a<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun tritt der Kreuzsupport in T\u00e4tigkeit. Eingespannt ist ein Eckstichel oder besser noch ein nicht zu schwacher Lochstichel, mit dem wir in den Anker eine Stufe eindrehen, deren ungef\u00e4hrer Durchmesser <em>Bild 2 b<\/em> entnommen werden kann. Die erforderliche Tiefe zeigt uns der absichtlich stehengelassene Rest des Gabelstiels, der genau dann verschwunden ist, wenn wir das n\u00f6tige Ma\u00df erreicht hoben. Nach dem Ablacken und Auskochen in Spiritus bringen wir in den beiden Ankerarmen die Bohrungen <em>a<\/em> und <em>b<\/em> <em>(Bild 2b)<\/em> an; die Bohrlocher werden an der Unterseite etwas ausgesenkt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"383\" height=\"288\" src=\"https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker2b.png\" alt=\"Glashuetter_Anker2b\" class=\"wp-image-1795\" srcset=\"https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker2b.png 383w, https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker2b-300x226.png 300w, https:\/\/uhrenliteraturshop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Glashuetter_Anker2b-16x12.png 16w\" sizes=\"auto, (max-width: 383px) 100vw, 383px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Glash\u00fctter Anker Bild 2b<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehr ist am Anker vorerst nicht zu tun. Wir nehmen uns daher die Goldplatte vor, passen deren eines Ende genau in die soeben fertiggestellte Ausdrehung ein und k\u00f6rnen sie durch die Ankerwellenbohrung von unten her an, wobei wir die beiden Teile fest gegeneinander dr\u00fccken. Ist das geschehen, so trennen wir sie wieder voneinander und durchbohren die Platte an der angezeichneten Stelle mit einem Bohrer von nicht ganz Ankerwellenstarke. Mit der Reibahle wird die Bohrung vorsichtig bis zum Fertigma\u00df erweitert, worauf sich Anker und Platte mit Hilfe der Ankerwelle sicher genug miteinander vereinigen lassen. Ebenfalls von unten her bohren wir jetzt auch bei <em>a<\/em> und <em>b<\/em> durch die Platte hindurch, reiben zun\u00e4chst das eine Loch von oben etwas auf, und zwar nur so weit, bis die Reibahle \u00fcberall fasst, dr\u00fccken vorerst einen messingenen Spiralstift fest ein, der oben mit dem Anker abschlie\u00dfen muss (Unten kann er etwas vorstehen!) und wiederholen den gleichen Arbeitsgang bei der anderen Bohrung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir legen jetzt den Anker deckungsgleich auf den Umriss <em>(Bild 1)<\/em>, den wir zu Anfang aufgezeichnet hatten und \u00fcbertragen die beiden Hilfslinien <em>a<\/em> und <em>b<\/em> auf das eingesetzte Goldpl\u00e4ttchen, das unsere neue Gabel werden soll. An Hand der sorgsam aufbewahrten Originalgabel k\u00f6nnen wir alsdann die weitere Form ann\u00e4hernd festlegen, wobei wir allerdings daran denken m\u00fcssen, dass wir auf diese Weise nat\u00fcrlich keine Fertigma\u00dfe erhalten k\u00f6nnen. Doch ist das auch gar nicht erforderlich, weil die letzte Formgebung ohnehin erst nach Pr\u00fcfung im Werk erfolgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ausfeilen gibt keine besonderen Probleme auf. Es bleibt dabei jedem selbst \u00fcberlassen, ob er hierzu das Pl\u00e4ttchen wieder vom Anker l\u00f6sen oder auf ihm belassen will. Einschlie\u00dflich des Gabeleinschnittes und der Ausrundung der Gabelh\u00f6rner kann alles vorgefeilt werden, doch gehen wir jetzt noch an keiner Stelle bis auf das Fertigma\u00df herunter. 1st die Form etwa erreicht, so wird am Zusammenwirken von Ankerrad und Anker kontrolliert, ob wir die Gabel noch seitlich zu richten haben. Dazu muss nat\u00fcrlich vorher der Begrenzungsstift an seinen Platz gebracht werden. Den Gabeleinschnitt polieren wir aus; er darf seine richtige Breite erst dadurch erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt kann auch die Unruh eingesetzt werden; wir f\u00fchren ihren Hebelstein mit \u00e4u\u00dferster Vorsicht in die Gabelh\u00f6rner ein und korrigieren nach Bedarf. Fallt die anschlie\u00dfende ,,Generalprobe&#8221; zu unserer Zufriedenheit aus, so bringen wir am Gabelteil noch die Aufnahmebohrung f\u00fcr das Sicherheitsmesser an. Beim Original weist dieses Messer eine quadratische Form auf, um jegliches Verdrehen auszuschlie\u00dfen, \u2013 ein Vorteil, der nicht von der Hand zu weisen ist. Wenn wir also Sicherheit erreichen wollen, gehen wir in gleicher Weise vor. Die Bohrung wird jedoch nicht aufgefeilt, sondern mit einem konischen Vierkant aufgedornt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit k\u00f6nnen wir uns den Abschlussarbeiten zuwenden. Diese umfassen: das Abschr\u00e4gen des eingesetzten St\u00fcckes zur Gabel hin, das auf der Unterseite erfolgt und wof\u00fcr uns die alte Gabel als Muster dienen kann; &#8211; das Abschleifen des oben \u00fcberstehenden Materials; &#8211; das Auswechseln der Spiralstifte gegen konisch gefeilte Goldstifte sowie deren Vernietung; &#8211; die endg\u00fcltige Verbesserung der Gesamtform; &#8211; die Herstellung des quadratischen Sicherheitsmessers aus Golddraht, sein Einsetzen und K\u00fcrzen und schlie\u00dflich das Polieren der gesamten Ankeroberflache, wozu \u00fcbrigens die Zinnplatte hervorragend geeignet ist. Durch eine kleine Kantenbrechung wird der entstandene Grat beseitigt. Damit liegt der Anker fertig vor uns; bei sauberer Arbeit ist selbst unter der Lupe kaum etwas von der Reparatur zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An dieser Stelle soll noch ein Wort zu dem Auswiegen des Ankers gesagt werden, von dem in vielen Fachb\u00fcchern die Rede ist. Manche Autoren schr\u00e4nken allerdings diese Vorschrift gleich wieder stark ein, indem sie lediglich die ,,M\u00f6glichkeit&#8221; erw\u00e4hnen, die hier gegeben sei. Auch wir wollen dos nicht gar zu ernst nehmen. Ein solches Vorhaben ist zwar technisch durchaus m\u00f6glich, doch m\u00fcssten wir dann die Masse an den langen Armen drastisch verkleinern, und das wurde zu solcher Minderung der Stabilit\u00e4t fuhren, dass man in der Praxis besser darauf verzichtet. Ein ausgewogener Anker z\u00e4hlt jedenfalls zu den ganz gro\u00dfen Seltenheiten. Achten wir also in der Hauptsache darauf, dass die neue Gabel hinsichtlich ihrer St\u00e4rke mit der alten \u00fcbereinstimmt. Es besteht dann kein Grund zu der Annahme, die Uhr k\u00f6nne in Zukunft schlechter regulieren als fr\u00fcher. Wer es trotzdem einmal versuchen will, der denke daran, dass eine Erleichterung der Gabel allein nichts n\u00fctzt, sondern dass man dann auch noch am Ausgangsarm Material abnehmen muss, da das Gewicht des Begrenzungsstiftes bei weitem nicht ausreicht, um die unterschiedlichen Hebell\u00e4ngen zu kompensieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir wollen jetzt kurz die besonderen Vorschriften erw\u00e4hnen, die bei der Behandlung von <strong>StahIankern<\/strong> erforderlich sind. Hier ist anzuraten, den Anker nach Herausnahme der Hebesteine zun\u00e4chst ziemlich weit anzulassen, damit er sich gut bearbeiten l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der in gleicher Weise erfolgten Fertigstellung wird der gesamte Anker wieder geh\u00e4rtet und etwa dunkelgelb angelassen. Auf der Oberseite verschwindet diese Farbe beim Polieren; wen sie auf der Unterseite st\u00f6rt, kann sie mit \u00d6lsteinpulver abschleifen. Das h\u00e4ufig angewandte Beizen in verd\u00fcnnter S\u00e4ure ist hier unbedingt zu verwerfen, da ein an der Reparaturstelle etwa verbleibender S\u00e4urerest den ganzen Anker in k\u00fcrzester Zeit zerst\u00f6rt, und dann f\u00fchrt uns kein Weg mehr an einer vollst\u00e4ndigen Anfertigung vorbei! Falls das Sicherheitsmesser, wie in der Mehrzahl, in einem besonderen ,,Messerb\u00f6ckchen&#8221; befestigt ist, wird dieses erst ganz zum Schluss angefertigt und eingesetzt. Das H\u00e4rten er\u00fcbrigt sich, weil das Teil keiner besonderen Beanspruchung unterliegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die f\u00fcr die Reparatur erforderliche Arbeitszeit vermindert sich naturgem\u00e4\u00df mit jeder Wiederholung betr\u00e4chtlich. Nach einiger \u00dcbung wird man kaum mehr als 4\u20135 Stunden ben\u00f6tigen, doch selbst wenn der eine oder andere mit dieser Zeit nicht auskommt \u2013 die Anfertigung eines kompletten Ankers w\u00fcrde ein Mehrfaches erfordern. An Qualit\u00e4t steht die Reparatur der Anfertigung in nichts nach, im Gegenteil: sie erf\u00fcllt die zu Beginn an sie gestellten Bedingungen \u2013 Zeitgewinn und Preisminderung \u2013 vollkommen. Wir haben deshalb um so weniger Veranlassung, diese Arbeit zu scheuen oder gar abzulehnen, als sie auch weiterhin nicht oft erforderlich sein wird. 1st dies jedoch dann und wann der Fall, so sollten wir die darin liegende M\u00f6glichkeit einer<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einzelwerbung f\u00fcr unser Handwerk wie auch f\u00fcr unsere eigene Geschicklichkeit nicht unbeachtet lassen. Machen wir also ruhig davon Gebrauch, indem wir dem Kunden den fertigen Anker zur ,,Begutachtung&#8221; unter der Lupe vorlegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir werden erleben, dass dieser Kunde nicht nur den geforderten Preis willig bezahlt, sondern dass er zu einer ,,lebendigen Werbung&#8221; f\u00fcr uns, unsere Werkstatt und unser Gesch\u00e4ft wird, weil er sich nicht auf Grund von allgemeinen Versprechungen, sondern durch Tatsachen von unserer Leistungsf\u00e4higkeit \u00fcberzeugen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abschlie\u00dfend sei noch ein psychologischer Gesichtspunkt erw\u00e4hnt, dessen Bedeutung wir nicht untersch\u00e4tzen sollten. Gerade in der heutigen Ara der ,,Schnellreparatur&#8221; und der Fertigfurnituren brauchen wir vor uns selbst von Zeit zu Zeit die Best\u00e4tigung, dass wir zu mehr in der Lage sind als zum blo\u00dfen Reinigen, Zusammensetzen und \u00d6len. Dazu aber ist nichts so sehr geeignet, wie eine au\u00dferhalb des \u00fcblichen Schemas liegende Arbeit und das Gef\u00fchl eines pers\u00f6nlichen K\u00f6nnens, das wir anderen voraushaben.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Uhrmachermeister Hans Grotka\u00df hat sich 1956 in der Deutschen Uhrmacher-Zeitschrift, Nr.12, ausf\u00fchrlich mit der Ankerreparatur auseinandergesetzt. 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