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DGC: „Zeitung für Uhrmacher“ 1842–1844

DGC: „Zeitung für Uhrmacher“ 1842–1844
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Art.Nr.: DGC406
ISBN: 9598
39,00 EUR
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Produktbeschreibung

Titel

„Zeitung für Uhrmacher“ 1842 - 1844, Faksimile-Edition

Autor


Erstmalig liegt mit diesem Werk eine Faksimileauflage der kompletten „Zeitung für Uhrmacher“ vor, die früheste Uhrmacherfachzeitschrift der Welt. Sie erschien lediglich in 3 Heften im Zeitraum 1842–1844 und ist Teil des langen Entwicklungsprozesses, der bereits im 17. Jahrhundert einsetzte und ab Mitte des 19. Jahrhunderts dann zu gewerbespezifischen Fachzeitschriften führte.

Parallel mit der Gründung der naturwissenschaftlich orientierten „Royal Society“ in London 1660 und der „Académie des Sciences“ 1666/1699 in Paris entstanden neuartige Periodika: die „Philosophical Transactions“ und das „Journal des Savants“. Sie informierten über neue Erkenntnisse im naturwissenschaftlichen Bereich. Ein weiterer Meilenstein war die von Diderot und d'Alembert ab 1751 herausgegebene "Encyclopédie“, in der das gesamte Wissen der damaligen Zeit in ca. 60.000 Ar­tikeln vereinigt wurde. Angeregt vom wirtschaftlichen Erfolg der französischen Enzyklopädie gründete der Augsburger Johann Gottfried Dingler dann 1820 das „Polytechnische Journal“. Motivation von Dingler war das Bestreben, durch „Verbreitung polytechnischer Kenntnisse vielfachen Nutzen zu stiften“ und die Forschungen und Werke des In- und Auslandes „zur Belehrung und zum praktischen Gebrauche für alle Stände wohlgeordnet zusammenstellen“.

1842 war es dann schließlich soweit, dass der Leipziger Buchhändler Carl Gottlob Schmidt als Herausgeber das Wagnis einging, den deutschen Uhrmachern mit seiner „Zeitung für Uhrmacher“ ein eigenes Fachblatt vorzulegen. Als verantwortlicher Redakteur zeichnete C. Schmaltz. Das im Vorwort zum 1. Heft vorgestellte Ziel der Zeitschrift klingt überzeugend: „Über alles das Neue zu berichten, was für die Uhrmacherkunst von Wichtigkeit ist. Alle neue Erfindungen, Verbesserungen und Vervollkommnungen usw. die in Deutschland, England, Frankreich, der Schweiz, in Amerika oder sonstwo in der Fabrikation der Uhren gemacht worden sind, werden in derselben mitgeteilt. Es kann daher für jeden Uhrmacher, der mit der Zeit fortgehen will – und zurückbleiben darf da jetzt Niemand mehr in seinem Geschäfte – gewiss nichts Wichtigeres und nicht Unentbehrlicheres geben, als diese Zeitung.“

Als zweites Ziel führt die Zeitschrift die Beobachtung der Konkurrenz an: „Nichts ist jetzt mehr nötig, als unablässig das Auge auf die Erzeugnisse ... Anderer zu richten, die Dasselbe produzieren“. Schließlich wird noch der Praxisnutzen der Zeitschrift ins Feld herausgestellt: „Unser Augenmerk wird vor allem darauf gerichtet sein, dass die Zeitung praktischen Wert bekommt“ mit dem Versprechen, „einen Schatz von Belehrungen, Anweisungen, Abhandlungen, Rezepten, und beim Geschäftsbetrieb zu machenden Vorteilen und Ersparungen“ den Lesern an die Hand zu geben.

Der Auftakt im ersten Heft hätte nicht besser gewählt werden können: Hier kommt Ferdinand Schade mit einem zugkräftigen Übersichtsartikel zu Wort: „Über die Fortschritte, welche seit dem Anfange dieses Jahrhunderts bis zum Jahre 1840 in der Uhrmacherkunst gemacht worden sind“. Auf 15 Seiten bringt er einen umfassenden Überblick über damalige Neuerungen in der Groß- und Kleinuhrentech­nik. Die behandelten Themen reichen von Ideen, die Zapfenreibung bei Taschenuhren zu verringern über die damals heiß diskutierten Vorteile von Schrägverzahnungen und Schraubeneingriffen, neue Schmiermittel, neue Hemmungen, neuartige Kompensationspendel bis hin zu Verbesserungen an Turmuhren. Die Leistungen zahlreicher bekannter zeitgenössische Uhrmacher werden aufgeführt, darunter Gutkaes, Breguet, Perrelet, Lepaute usw. Nach kritischen Anmerkungen zur „Handelsuhrmacherkunst“ folgen positive Beispiele über erzielte Erfolge zur Kostensenkung bei der Uhrenherstellung in Frankreich (d’Aliermont) und in Wien.

Im Mittelpunkt des zweiten Hefts stehen auf 19 Seiten die „Kurzen Notizen zur Kenntniß deutscher Uhrmacher und ihrer Leistungen“, ein Artikel, den der Redakteur Schmaltz offensichtlich selbst verfasst hat. Er reist und berichtet über sächsische und bayerische Uhrmacher, die er in verschiedenen großen Städten besucht hat. In seinem Bericht über Nürnberg wird eine blumige Geschichte zu Peter Henlein eingeschoben. Das Urteil über die Nürnberger Uhrmacher fällt nicht schmeichelhaft aus, bestärkt durch den Eindruck, den Schmaltz beim Besuch der Nürnberger Gewerbeausstelllung 1840 gewonnen hatte. Der Reisebericht vermittelt mit bemerkenswerter Offenheit des Schreibers ein lebendiges Bild der Situation selbständiger Uhrmacher im damaligen Deutschland.

Das dritte Heft ist fast vollständig dem Pariser Uhrmacher Johann (Jean) Wagner gewidmet. Vier unterschiedliche Turmuhren mit neuartigen Konstruktionen werden anhand zahlreicher Kupferstiche ausführlich beschrieben. Dazu gehören auch ein neues Kompensationspendel, ein „Regulator“ als Zwischenaufzug für einen gleichmäßigen Antrieb sowie ein „Ergänzungspatent“ von 1837 für eine neuartige Wächterkontrolluhr.

Neben den großen Abhandlungen bringt die Zeitschrift viele kürzere Aufsätze, die als praktische Anregungen für die Leserschaft gedacht sind. Das reicht von der neuartigen Schraubenkopfpoliermaschine über eine Maschine zur Kettenfertigung, einen französischen Schraubenzieher, eine vorteilhafte Bohrmaschine oder einer Vorrichtung, um 6 Räder gleichzeitig zu schneiden bis zur Verlängerung der Laufzeit eines Chronometers. Aber auch Abhandlungen z. B. über elektro-magne­ti­sche Uhren, autodynamische Uhren oder nützliche Patente gehören hierzu. Noch kürzer gefasst sind die „Miscellen“, kleine Notizen mit aktuellen Informationen. Diese Beiträge wurden ausnahmslos von anderen deutschsprachigen Publikationen übernommen wie der Deutschen Handelszeitung, dem Schweizerischen Gewerbeblatt usw. Erwähnt werden müssen auch die historisch interessanten Beiträge über die Gewerbeausstellungen, die in Deutschland ab 1825 aufkamen. Aufge­führt werden die ausgestellten Uhren und deren Hersteller für die Nürnberger Industrieausstellung 1840, die 2. Hannoversche Gewerbe-Ausstellung 1836, die sächsische Gewerbe-Ausstellung 1837 sowie die zweite allgemeine Industrie- und Gewerbeausstellung in Wien 1839.

Das erste Heft der kleinformatigen „Zeitung für Uhrmacher“ (Satzgröße 13,5 x 8,5 cm) war offensichtlich als kostenloses Probeheft konzipiert, denn erst am Ende findet sich die Auf­forderung zum Abonnement, „damit baldigst bestimmt werden kann, wie viele Exemplare im Ganzen zu drucken sind“. Im 2. Heft wird dann auch der Preis von 6 Groschen für jedes der zwei pro Jahr geplanten Exemplare genannt. Ab dem 3. Heft verantwortete schließlich C. Schmaltz gesamthaft die Redaktion, die Herausgabe und den Vertrieb der Zeitschrift. Die Beiträge aller drei Hefte werden durch insgesamt 98 feingestochene Abbildungen auf separaten Tafeln illustriert. Das dritte, 1844 erschienene Heft der Zeitschrift zeigt dann bereits Ermüdungserscheinungen. Die versprochene Fortsetzung kam nicht zustande und damit scheiterte der weltweit erste Versuch einer Uhrmacher-Zeitschrift bereits nach 3 Heften. Was waren die Gründe?

Sowohl Zeitpunkt, als auch Grundkonzept für diese Zeitschrift schienen perfekt gewählt. Denn Deutschland hatte in den ersten 40 Jahren des 19. Jahrhunderts auf dem Gebiet der Uhrmacherei wenig Neues zu bieten und speziell die Auswertung von Zeitschriften im Hinblick auf Erfindungen und Patente auf dem Gebiet der Uhrmacherei war ein sinnvoller Gedanke. Die neue Uhrmacher-Zeitschrift ermöglichte damit einen kostengünstigen, bequemen und effizienten Einblick in die im In- und Ausland laufenden Entwicklungen und Fortschritte. Aber für wen? Das Blatt zielte auf ein breites Publi­kum und suchte die Verbindung von technischer Wissenschaft und bürgerlichen Lesern. Ihr Scheitern zeigt, dass sich die Kombination beider Zielgruppen 1840 in Deutschland nicht verwirklichen ließ. Der Uhrenbau befand sich in einem umfassenden Strukturwandel: Kleinuhren in Deutschland kamen praktisch nicht mehr von selbständigen Uhrmachern, sondern aus französischen, Schweizer oder englischen Fabriken oder Manufakturen. Der örtliche Uhrmacher durchlebte den Abstieg vom Verfertiger einer Uhr zum bloßen Reparateur, worunter auch die Ausbildung zukünftiger Uhrmacher litt. Pfusch in der Kleinuhrmacherei war verbreitet und die Aufgeschlossenheit, Fortschritte in Theorie und Wissenschaft in der Praxis umzusetzen, wenig ausgeprägt. Als breites Zielpublikum für eine an­spruchsvolle neue Zeitschrift war damit der Durchschnittsuhrmacher zu dieser Zeit überfordert bzw. in seinem Beruf mit ganz anderen Sorgen des Überlebens konfrontiert. Die Fachbeiträge der neuen Zeitschrift fanden damit zu wenig interessierte Adressaten. Ein weiterer Grund für das Scheitern dürfte das Fehlen jeglicher kommerzieller Werbung gewesen sein, eine Einnahmequelle, die 40 Jahre später von Beginn an eine wesentliche finanzielle Stütze z. B. für das „Allgemeine Journal der Uhrmacherkunst“ oder die „Deutsche Uhrmacher-Zeitung“ bildete.

Einen dauerhaften Erfolg hatten Uhrmacherzeitschriften erst dann, als sie nicht mehr von unabhängigen Verlegern heraus­gegeben wurden, sondern von Uhrmacherverbänden. Dies beweist am besten das „Horological Journal“, seit 1858 das offizielle Organ der in diesem Jahr gegründeten Uhrmachervereinigung oder die „Revue Chronometrique“, die ab 1856 das gemeinsame Sprachrohr der französischen „Societé des Horlogers“ wurde. Im Jahr 1876 gelang dann schließlich auch dem „Allgemeinen Journal der Uhrmacherkunst“ und der „Deutschen Uhrmacher-Zeitung“ der nachhaltige Durchbruch, ebenfalls in Verbindung mit der Gründung eines Interessenverbands.

Die „Zeitung für Uhrmacher“ ist heute extrem selten zu finden und wenn, dann nur in Teilen. Sie ist ein authentisches Spiegelbild der damaligen Zeit und deshalb ein kostbares historisches Zeugnis. Aus diesem Grund hat sich die Bibliothek der DGC entschlossen, die Zeitung komplett mit allen verfügbaren Tafeln als hochwertiges Faksimile in kleiner Auflage herauszugeben. Eine einmalige Chance für alle an der Uhrengeschichte Interessierte, sich mit dieser Faksimile-Edition in hochwertiger Ausstattung die ersten Gehversuche einer Fachzeitschrift zu sichern.

Dr. Bernhard Huber

 

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ISBN

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Fakten

Reprint Berlin 2013 auf 184 S., 98 Kupferstiche, Format ca. A5, Digitaldruck, im Auftrag der DGC

Preis39,00 EURO inkl. USt.

 

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